Pferdekauf


Analog zu den Anschaffungskosten für Katze und Hund, möchte ich auch mal die Anschaffungs- und vorallem Unterhaltskosten eines Pferdes auflisten. Auch ich habe meine Eltern mit dem Thema “eigenes Pferd” bis zu meinem 19. Lebensjahr genervt. Seit einigen Jahren besitze ich nun ein Pferd und habe es aus eigener (finanzieller) Kraft geschafft. Aber ganz ehrlich - so richtig habe ich das Ausmaß an dem was da kommt, nicht wirklich richtig eingeschätzt.

Anschaffung:
Den Preis eines Pferdes kann man kaum in einen Preisrahmen setzen. Er ist abhängig von der Rasse, dem Alter, der Abstammung und der Ausbildung. Dies ist wahrlich auch beim Hunde der Fall, aber die Preisspanne bei Pferden ist wohl größer als die bei Autos :)  Für ein Fohlen kann man schon 1.000 Euro bei solider Abstammung zahlen, für ein 4 jähriges Pferd ohne Ausbildung mit soliden Grundgangarten ca. 3.500 Euro. Ist das Pferd bereits in der Ausbildung gewesen, hat erste Turniererfolge eingefahren und eine gradlinige Abstammung eines Zuchtverbandes, so explodieren die Preise.

Man sollte sich ein eigenes Limit setzen und sich ganz genau vor der Suche überlegen, was man von dem Tier erwartet. Vor allem muss der “Verwendungszweck” immer im Kofp gehalten werden. Will ich Züchten, im Gelände tingeln, will ich im großen Viereck bis S plaziert werden oder möchte ich bei Reitertagen ein kleines E Springen gehen? All diese Gründe benötigen ein anderes Pferd und einen anderen Anspruch. Nur so können nachher Pferd und Reiter in Harmonie zusammen arbeiten.

Ausrüstung:
Das wohl teuerste Stück – neben dem Pferdchen ansich – ist der Sattel. Die Preisspanne bei neuen Sätteln liegt irgendwo zwischen 600,00 und 3.000 Euro. Maßanfertigungen kosten natürlich mehr. Nun kann man denken: “Ich eine Maßanfertigung? So ein Snop bin ich nicht!” Aber was tun, wenn das Pferd eine so individuelle Sattellage und Schulterpartie hat, dass nur noch der Maßsattel in Frage kommt? Grundsätzlich halten die Sättel der hochwertigen Marken wie Passier, Schumacher und Stübben aber auch Länger als ein Pferdeleben. Es kann sich demnach wirklich lohnen, einen gebrauchten Sattel dieser Marken zusammen mit einem guten Sattler auszusuchen und dem Pferdchen anzupassen.

Neben dem Sattel benötigt man natürlich noch:
eine Trense (100,00 Euro),
ein Gebiss (30,00 – 90,00 Euro),
Gamaschen und Bandagen (60,00 Euro),
Decken für den Winter und Fliegendecke (150,00 Euro),
Longiergurt (100,00 Euro),
Putzzeug (50,00 Euro),
Kappzaum (80,00 Euro),
Gerte, Longe und Satteldecken…usw. Auch das ist in Summe nicht unerheblich

Unterkunft:
Was ein Pferd an monatlichen Pensionskosten mit sich bringt, hängt stark von den gebotenen Leistungen und der Haltungsform ab. Einen Platz im Offenstall ohne Reithalle und Außenplatz kann man für 150,00 Euro monatlich bekommen. Einen Platz in einer Paddockbox des Stalltraktes mit 2 Reithallen, Führanlage und Koppelservice kostet je nach Lage 375,00 Euro im Monat. Futter kostet meist zusätzlich.

Futter:
Das günstigste und neben dem Heu wohl auch das wichtigste ist der Hafer. Ein Sack Hafer kostet ca 15,00 Euro und reicht auch für ein normales Pferdchen im Monat. Aber nun ist es ja so, dass verschiedene Müslis den Markt erobern, welche gut und gern das doppelte kosten. Hinzu kommt Mineralfutter (16,00 Euro), eventuell Leinöl für das Fell (5 Euro pro Liter) und auch die Möhrchen schlagen irgendwann zu buche, wenn das Kilo wieder 0,80 Euro kostet. Leckerlis und ab und an eine Kräuterkur zählen ebenso mit hinein.

Tierarzt:
Dies ist der größte Unsicherheitsfaktor, den man als Pferdebesitzer haben kann. Neben den komplett planbaren Kosten wie Wurmkur und Impfungen (ca 200,00 Euro im Jahr) kommen die nicht planbaren Kosten. Ein Husten kann durch Anfahrt des Arztes, schleimlösenden Mitteln wie Venti plus oder Equimucin schnell 400,00 Euro kosten. Eine Zahnbehandlung (1x jährlich durchzuführen) kostet zwischen 80,00 und 120,00 Euro. Viel schlimmer sind Faktoren wie Kolik (1.500 Euro) oder Lungenspülung (900,00 Euro) und diese Liste kann man unendlich fortführen.

Versicherungen:
Gegen viele Risiken und unerwartete Ausgaben kann man sich inzwischen absichern. An erster Stelle steht hierbei die Pferdehaftpflichtversicherung, diese gibt es für 70,00 Euro im Jahr. An zweiter Stelle sollte die OP Kostenversicherung stehen, welche z. B. die Kosten einer Kolik erstattet. Kostet ca 120,00 euro im Jahr. Um sich gegen die finanziellen Rückschläge von Husten, verstauchten Beinen oder angerissenen Sehnen zu versichern, empfiehlt sich die Krankenvollversicherung, welche die ambulanten Kosten ersetzt. Diese kostet jedoch 420,00 Euro im Jahr. All diese Versicherungen erscheinen teurer als das ganze Pferd, aber wer das erste Mal 1.500 Euro Klinikrechnung in der Hand hatte, sieht das wahrscheinlich anders :)

Hufpflege:
Der Schmied muss meist alle 8 Wochen die hufe ausschneiden, raspeln oder neu beschlagen. Je nachdem, ob und welche Eisen gewählt werden, muss man mit 20,00 – 120,00 Euro rechnen. Spezialbeschläge für Spatpatienten werden noch etwas teurer sein.

Reitzubehör:
Zu guter Letzt möchte doch auch der Reiter auf dem Pferd nicht nur gut aussehen, sondern vor allem sicher reiten. Dazu gehört eine Reitkappe (80,00 Euro), eine Sicherheitsweste (100,00 Euro), Sicherheitssteigbügel (100,00 Euro). Für das hübsche Äußere benötigt man eine Reithose (ca. 80,00 Euro), Lederstiefel (ab ca. 350,00 Euro) und ein paar wettergeeignete Jacke sowie Handschuhe.

Ehrlich gesagt mag ich als Pferdebesitzer gar nicht ausrechnen, was mich das Tier im Jahr kostet. Aber hergeben würd ich sie auch nicht mehr :)

In jeder Ankaufsuntersuchung wird die sogenannte Beugeprobe vom Tierarzt durchgeführt. Und schon vorher beschäftigt sich fast jeder damit, was man machen wird, wenn sie positiv ausfällt.

Ist dies ein Zeichen von Unbrauchbarkeint? Kann man daraus auf Spat und Arthrose deuten? Kann man ein Pferd trotzdem kaufen?

Letztlich sollte, wie bei der gesamten Ankaufsuntersuchung, der “Verwendungszweck” des Pferdes im Vordergrund stehen. Niemals aus den Augen lassen, wofür man das Pferd kaufen möchte.

Mit der Beugeprobe ist das Abbiegen eines oder mehrer Gelenke zur Provokation von Schmerz gemeint. Die Beugeprobe wird an jedem Bein extra durchgeführt und ist im Ergebis dann positiv, wenn das Pferd beim folgenden Vortraben lahmt. Aber auch dann gibt es nicht nur schwarz und weiß.

Unter den Reitern herrscht zum einen die Meinung, dass man jedes Pferd “lahm beugen” kann. Wenn ein Tierarzt beispielsweise statt 90 Sekunden das Pferdegelenk 3 Minuten beugt, dann wird das Tier mit Sicherheit einige Schritte lahm gehen. Ebenso ist es wichtig, dass das Bein korrekt gebeugt wird und man nicht noch zusätzlichen Schaden anrichtet.

Eine korrekt durchgeführte positive Beugeprobe zeigt jedoch, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Dies muss nicht gleich Unbrauchbarkeit bedeuten. Man muss betrachten, wie sich die positive Beugeprobe äußert. Also wie lange wurde gebeugt, wie lange ging das Pferd lahm? Wenn das Tier nach 3 Minuten beugen nur zwei Schritte lahm geht ist es etwas anderes, als wenn ein anderes Pferd nach 90 Sekunden beugen auf drei Beinen lahm geht und in den Wendungen was wegbricht.

Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann sollte man nach einer positiven Beugeprobe Röntgenbilder erstellen lassen oder in einer Klinik des Vertrauens einen Rundumcheck machen lassen.

Die Emotionen schäumen über, wenn es an den Kauf eines Pferdes geht. Ist die Entscheidung nach der Ankaufsuntersuchung gefallen, so möchte man den Vierbeiner am liebsten gleich einpacken und mitnehmen. Jedoch Vorsicht: ein gesprochenes Wort als Kaufvertrag reicht nicht mehr aus.

Schon bei Ebay liest man in vielen Auktionen, dass private Verkäufer einen Ausschluss des EU Käuferrechtes voraussetzen: nämlich den Verzicht auf Umtausch, Garantie und Gewährleistung. Dies sollte man beim Pferdekauf natürlich niemals tun.

Die FN hat eine Infoseite herausgegeben, auf der man die wichtigsten Inhalte zum Thema Beweislast, Rückgaberecht, Verjährung oder Haftungsverzicht.

Ein detaillierter Kaufvertrag sichert beiden Vertragspartnern mehr Sicherheit zu. Angaben wie Lebensnummer, Name, Abstammung, Zuchteintragung, Alter und äußerlichen Merkmalen sollten immer genannt sein. Die Unterlagen der Ankaufsuntersuchung (Röntgenbilder, Abschlussprotokoll) müssen ebenfalls dem Vertrag beigefügt werden.

Das Ziel ist es, das gesamte Tier zum Datum des Verkaufes zu beschreiben, um eine schriftliche und detaillierte Grundlage für eventuelle Unstimmigkeiten zu haben. Mögliche Turniererfolge können bei der FN angefragt werden, die Verkaufsanzeige liefert meist notwendige Informationen zu den Charaktereigenschaften des Pferdes und auch die Terminde des Probereitens (sofern schon möglich) sollten festgehalten werden.

Sind die Modalitäten um das Tier geklärt, so bleibt nur noch zu klären wann wie viel Geld zu zahlen ist, ob eine Anzahlung vereinbart wird und wann der neue Besitzer die notwenidigen Papiere erhält. Die Besitzurkunde sollte der Verkäufer erst nach Erhalt des kompletten Kaufbetrages an den Käufer übergeben. Den Equidenpass sollte der Käufer spätestens zum Transport besitzen.

Zum Start der neuen Turniersaison steigen die Pferdekäufe wieder an. Für all die, die nicht ein bereits geprüftes Pferd mit 1er TÜV von einem Handler oder einem Gestüt kaufen, steht das Thema Ankaufsuntersuchung oder eben der TÜV direkt hinter dem Thema Finanzierung.

Wichtig ist, dass der Gesundheitszustand des Tieres zum Einsatzzweck passt. Sicher sind an ein Pferd das im Grand Prix gehen soll andere Anforderungen zu stellen als an ein Pony für die kleine Tochter. Möchte man ein junges Pferd für den Leistungssport kaufen, so sollte man weniger Kompromisse eingehen als bei einem älteren Pferd, das man zwei Tage die Woche ruhig im Gelände reiten möchte.

Wenn mit dem Besitzer der Termin für eine Ankaufsuntersuchung gemacht wird,  so muss unbedingt vorher geklärt werden, wer die Kosten dafür trägt. Mögliche Varianten sind, dass bei positiver Untersuchung der Käufer die Kosten trägt und bei einem schlechten Befund der Verkäufer die Kosten trägt. Teilen der Kosten bietet sich auch an. Die Untersuchung kann zwischen 100 und 1000 Euro liegen.

Meist ist es aber so, dass sich das Herz schon in die Augen des Tieres verliebt hat. Da spezielle Krankheiten jedoch enorme Kosten mit sich bringen, sollten einige von ihnen vorher ausgeschlossen werden. Die Ankaufsuntersuchung gibt es in der Regel in zwei Stufen: die große und die keine Untersuchung.

Bei der kleinen Ankaufsuntersuchung - auch kleiner TÜV genannt – erfolgt eine Untersuchung des Allgemeinzustandes des Pferdes. Dazu wird die Lunge und das Herz abgehört, das äußere Erscheinungsbild an Haut und Fell eingeschätzt, sowie die Temperatur, Puls und Atemfrequenz gemessen. Um herauszufinden, ob das Pferd Schmerzen oder offensichtliche Krankheiten hat, wird nun der Bewegungsapparat sowie die Leistungsfähigkeit an Hand des Atmungssystems getestet. Im normalen Ablauf folgt nun also das Abtasten der Beine und des Rückens, das Vortraben an der Hand und die Beugeprobe. Das Traben kann auch nochmals fünf Minuten an der Longe verlängert werden, um danach den Puls und die Atmung unter Belastung zu prüfen.

Stellt sich heraus, dass das Pferd zum Beispiel auf die Beugeprobe positiv reagiert in dem es unklar läuft, so sollte bei bestehendem Interesse die sogenannte große Ankaufsuntersuchung gemacht werden. Siese unterscheidet sich letztlich nur darin, dass zu den Standarduntersuchungen noch Röntgenaufnahmen gemacht werden. Huf, Fessel und Sprunggelenk werden durchleuchtet um Chips, Anzeichen von Spat oder Veränderungen an der Hufrolle zu erkennen.

Nun kommt der für den Interessenten meist wichtigste Teil. Das Ergbnis der Untersuchung an Hand des Protokolls. Aus diesem hat der Tierartz alle Ergebnisse vermerkt und spricht eine TÜV-Klasse für das Pferd aus. Einen 1er TÜV findet man seltenm einen 2er TÜV schon eher. Dies ist abhändid davon, welche Mängel der Tierartz festgestellt hat.

Ratsam ist es, sich vor dem großen Tag zu überlegen, mit welchen Kompromissen man an die Untersuchung herangeht, entsprechend des Einsatzzweckes des Tieres. Eine positive Beugeprobe kann ein absolutes No-go sein, für manche ist es die Erkenntnis von Spat. Letztlich sollte aber auch der Preis des Pferdes zum Untersuchungsergebnis passen.

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