Pferdehaltung


Jeder der ein Pferd hat, hat sich hoffentlich schon mal mit dem Thema Pferdefütterung auseinandergesetzt. Um ein Pferd bedarfsgerecht zu füttern, muss man sich zu aller erst mit dem Fressverhalten der Tiere auseinandersetzen. Einen sehr interessanten Artikel gab es in der aktuellen Reiter Revue zu lesen: Das perfekte Dinner.

Wie frisst ein Pferd? Wichtig für jedes Pferd ist eine ausreichende Kautätigkeit und der damit verbundene Speichelfluss. Bei genügend Raufutter produziert ein 600kg Pferd am Tag circa 30 Liter Speichel und ist an einem Kilogramm Heu ca 40 bis 80Minuten mit Essen beschäftigt. Dabei bewegt es den Kiefer fast 3.000 mal. Das Kraftfutter hingegen ist meist in 15 Minuten verputzt und dient daher weder der ausreichenden Kautätigkeit, noch der Speichelproduktion.

Der Speichel ist die Vorarbeit fürs Verdauen – ohne genügend Speichel kann das Pferd die Nahrung nicht richtig verdauen. Logisch ist in diesem Zusammenhang, dass Pferde die in aller Ruhe fressen, mehr Speichel produzieren können. Man kann beobachten, dass die Tiere die das Rauhfutter zur freien Verfügung haben, wesentlich ruhiger und langsamer fressen als diejenigen, die das Futter in zwei knapp bemessenen Rationen vorgelegt bekommen. Das Fressverhalten überträgt sich dann auch auf das Fressen des Kraftfutters.

Wie verdaut ein Pferd? Gut eingespeicheltes Futter ist die Grundlage für eine gute Verdauung. Der Weg des Futters ist lang. Es startet im Maul und ist dann zerkaut und eingespeichlt auf dem Weg über die Speiseröhre in den Magen. Dieser lässt sich kaum dehnen und bietet Platz für circa 15 Liter Futterbrei. Da dies nicht sonderlich viel ist, kann man nur betonen, dass kleine aber häufige Futterrationen besser zu verdauen sind, als beispielsweise eine Ration mit 7kg Kraftfutter. Nach 1-5 Stunden geht die Reise weiter in den 16 – 24m langen Dünndarm, in dem Stärke und Zucker aufgeschlossen wird. Bereits nach weiteren 1,5 Stunden ist das Futter im Dickdarm angelangt. Die letzte Reise des Futterbreis dauert nun nochmal 18 bis 24 Stunden, bis die nicht verwertbaren Reste wieder ans Tageslicht gelangen.

Wie viel Energie benötigt ein Pferd? Während der Verdauung zieht das Pferd die notwendige Energie aus dem Futtermittel. Ein Kilo Hafer liefert die Energie für 2 Stunden Schrittreiten. Auch Heu liefert Energie – die durchschnittliche Futtermenge sollte bei 4kg Heu am Tag liegen. Wichtig ist, dass das Pferd die angebotene Nahrung auch verwerten kann. Auf beste Futterqualität ist zu achten, energie- und eiweißreiches Futtermittel darf nicht fehlen, sowie 4-5 Futterrationen bilden die Grundlage für das perfekte Dinner.

Jedoch is(s)t jedes Pferd anders – das Auge des Besitzers sollte neben allen Richtlinien eine Einschätzung geben können, ob das Pferd wohlgenährt, dürre oder übergewichtig aussieht. Dementsprechend ist die Futterration anzupassen.

Analog zu den Anschaffungskosten für Katze und Hund, möchte ich auch mal die Anschaffungs- und vorallem Unterhaltskosten eines Pferdes auflisten. Auch ich habe meine Eltern mit dem Thema „eigenes Pferd“ bis zu meinem 19. Lebensjahr genervt. Seit einigen Jahren besitze ich nun ein Pferd und habe es aus eigener (finanzieller) Kraft geschafft. Aber ganz ehrlich - so richtig habe ich das Ausmaß an dem was da kommt, nicht wirklich richtig eingeschätzt.

Anschaffung:
Den Preis eines Pferdes kann man kaum in einen Preisrahmen setzen. Er ist abhängig von der Rasse, dem Alter, der Abstammung und der Ausbildung. Dies ist wahrlich auch beim Hunde der Fall, aber die Preisspanne bei Pferden ist wohl größer als die bei Autos :)  Für ein Fohlen kann man schon 1.000 Euro bei solider Abstammung zahlen, für ein 4 jähriges Pferd ohne Ausbildung mit soliden Grundgangarten ca. 3.500 Euro. Ist das Pferd bereits in der Ausbildung gewesen, hat erste Turniererfolge eingefahren und eine gradlinige Abstammung eines Zuchtverbandes, so explodieren die Preise.

Man sollte sich ein eigenes Limit setzen und sich ganz genau vor der Suche überlegen, was man von dem Tier erwartet. Vor allem muss der „Verwendungszweck“ immer im Kofp gehalten werden. Will ich Züchten, im Gelände tingeln, will ich im großen Viereck bis S plaziert werden oder möchte ich bei Reitertagen ein kleines E Springen gehen? All diese Gründe benötigen ein anderes Pferd und einen anderen Anspruch. Nur so können nachher Pferd und Reiter in Harmonie zusammen arbeiten.

Ausrüstung:
Das wohl teuerste Stück – neben dem Pferdchen ansich – ist der Sattel. Die Preisspanne bei neuen Sätteln liegt irgendwo zwischen 600,00 und 3.000 Euro. Maßanfertigungen kosten natürlich mehr. Nun kann man denken: „Ich eine Maßanfertigung? So ein Snop bin ich nicht!“ Aber was tun, wenn das Pferd eine so individuelle Sattellage und Schulterpartie hat, dass nur noch der Maßsattel in Frage kommt? Grundsätzlich halten die Sättel der hochwertigen Marken wie Passier, Schumacher und Stübben aber auch Länger als ein Pferdeleben. Es kann sich demnach wirklich lohnen, einen gebrauchten Sattel dieser Marken zusammen mit einem guten Sattler auszusuchen und dem Pferdchen anzupassen.

Neben dem Sattel benötigt man natürlich noch:
eine Trense (100,00 Euro),
ein Gebiss (30,00 – 90,00 Euro),
Gamaschen und Bandagen (60,00 Euro),
Decken für den Winter und Fliegendecke (150,00 Euro),
Longiergurt (100,00 Euro),
Putzzeug (50,00 Euro),
Kappzaum (80,00 Euro),
Gerte, Longe und Satteldecken…usw. Auch das ist in Summe nicht unerheblich

Unterkunft:
Was ein Pferd an monatlichen Pensionskosten mit sich bringt, hängt stark von den gebotenen Leistungen und der Haltungsform ab. Einen Platz im Offenstall ohne Reithalle und Außenplatz kann man für 150,00 Euro monatlich bekommen. Einen Platz in einer Paddockbox des Stalltraktes mit 2 Reithallen, Führanlage und Koppelservice kostet je nach Lage 375,00 Euro im Monat. Futter kostet meist zusätzlich.

Futter:
Das günstigste und neben dem Heu wohl auch das wichtigste ist der Hafer. Ein Sack Hafer kostet ca 15,00 Euro und reicht auch für ein normales Pferdchen im Monat. Aber nun ist es ja so, dass verschiedene Müslis den Markt erobern, welche gut und gern das doppelte kosten. Hinzu kommt Mineralfutter (16,00 Euro), eventuell Leinöl für das Fell (5 Euro pro Liter) und auch die Möhrchen schlagen irgendwann zu buche, wenn das Kilo wieder 0,80 Euro kostet. Leckerlis und ab und an eine Kräuterkur zählen ebenso mit hinein.

Tierarzt:
Dies ist der größte Unsicherheitsfaktor, den man als Pferdebesitzer haben kann. Neben den komplett planbaren Kosten wie Wurmkur und Impfungen (ca 200,00 Euro im Jahr) kommen die nicht planbaren Kosten. Ein Husten kann durch Anfahrt des Arztes, schleimlösenden Mitteln wie Venti plus oder Equimucin schnell 400,00 Euro kosten. Eine Zahnbehandlung (1x jährlich durchzuführen) kostet zwischen 80,00 und 120,00 Euro. Viel schlimmer sind Faktoren wie Kolik (1.500 Euro) oder Lungenspülung (900,00 Euro) und diese Liste kann man unendlich fortführen.

Versicherungen:
Gegen viele Risiken und unerwartete Ausgaben kann man sich inzwischen absichern. An erster Stelle steht hierbei die Pferdehaftpflichtversicherung, diese gibt es für 70,00 Euro im Jahr. An zweiter Stelle sollte die OP Kostenversicherung stehen, welche z. B. die Kosten einer Kolik erstattet. Kostet ca 120,00 euro im Jahr. Um sich gegen die finanziellen Rückschläge von Husten, verstauchten Beinen oder angerissenen Sehnen zu versichern, empfiehlt sich die Krankenvollversicherung, welche die ambulanten Kosten ersetzt. Diese kostet jedoch 420,00 Euro im Jahr. All diese Versicherungen erscheinen teurer als das ganze Pferd, aber wer das erste Mal 1.500 Euro Klinikrechnung in der Hand hatte, sieht das wahrscheinlich anders :)

Hufpflege:
Der Schmied muss meist alle 8 Wochen die hufe ausschneiden, raspeln oder neu beschlagen. Je nachdem, ob und welche Eisen gewählt werden, muss man mit 20,00 – 120,00 Euro rechnen. Spezialbeschläge für Spatpatienten werden noch etwas teurer sein.

Reitzubehör:
Zu guter Letzt möchte doch auch der Reiter auf dem Pferd nicht nur gut aussehen, sondern vor allem sicher reiten. Dazu gehört eine Reitkappe (80,00 Euro), eine Sicherheitsweste (100,00 Euro), Sicherheitssteigbügel (100,00 Euro). Für das hübsche Äußere benötigt man eine Reithose (ca. 80,00 Euro), Lederstiefel (ab ca. 350,00 Euro) und ein paar wettergeeignete Jacke sowie Handschuhe.

Ehrlich gesagt mag ich als Pferdebesitzer gar nicht ausrechnen, was mich das Tier im Jahr kostet. Aber hergeben würd ich sie auch nicht mehr :)

In der größten Hoffnung, dass sich ein jeder Pferdefreund daran hält. Die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes wurden 1995 von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erarbeitet und vom Verbandsrat verabschiedet.
 

1. – Wer ein Pferd besitzt oder sich mit einem beschäftigt, übernimmt die
Verantwortung für das ihm angetraute Lebewesen.

2. - Die Haltung des Pferdes muß den natürlichen Bedürfnissen angepaßt sein.

3. - Der physischen und psychischen Gesundheit ist unabhängig von seiner
Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.

4. - Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse,
Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit, Sport oder Gewerbe.

5. - Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse sowie
die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren, zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.

6. - Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung
gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu beachten und zu
fördern.

7. - Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das
ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung
ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.

8. - Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und
Voltigiersport muß sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen
und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungs-
vermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung
des Menschen ist abzulehnen und muß geahndet werden. 

9. - Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt
sich auch auf das Lebensende. Die Verantwortung muß der Mensch stets im
Sinne des Pferdes gerecht werden.

Der Sommer naht und wieder einmal sollte man jeden Pferdebesitzer erinnern, dass Pferde ein empfindliches Atmungssystem haben. Ich spreche aus eigener Erfahrung und habe bei meiner Stute gemerkt, wie starkt ein Pferd vorallem bei einer Vorerkrankung auf Staub reagiert.

Ein Husten, ein paar Tropfen Nasenausfluss – dies kann der Anfang von chronischer Bronchitis und damit verbundener Dämpfigkeit sein. Daher ist es wichtig, zu jeder Zeit die Staubbelastung zu minimieren. Kein Tier sollte man in Watte packen, aber man sollte die Belastung nicht unnötig hoch setzen.

Die Hauptindikatoren sind die Stallung des Pferdes, die Qualität des Raufutters und das Einstreu und die Qualität von Reitplatz und Auslauf.  

Zur Stallung: das A und O ist frische Luft, die zirkulieren kann! Ein Pferd sollte so viel frische Luft wie möglich einatmen dürfen. Bei reiner Boxenhaltung in einer Innenbox ohne Fenster und mit staubiger Stallgasse, ist die höchst möglichen Staubbelastung garantiert. Das Gegenteil davon ist die Offenstallhaltung mit Unterstand und viel Auslauf. Nun gibt es natürlich nicht nur schwarz und weiß, aber die Tendez sollte eindeutig sein. Außenboxen mit offenen Fenstern oder schöne Paddockboxen bieten eine gute Grundlage für die Atmung der Pferde.

Nun ist uns allen klar, dass in schönen Stallanlagen auch die Innenboxen nicht leer stehen müssen. Mit ein paar Regeln, kann man die Staubbelastung minimieren: 1. Nur die Stallgasse fegen und misten, wenn alle Pferde aus den Boxen sind.  2. Das Heu und Stroh außerhalb des Stalltracktes aufschütteln und 3. nur qualitativ hochwertiges Heu und Stroh nutzen, da sonst die Schimmelsporen überall fliegen

Heu und Stroh sollten grundsätzlich von bester Qualität sein. Bei besondern angeschlagenen Pferden ist es zusätzlich ratsam, das Heu zu waschen. Dabei reicht es nicht, wenn eine Kanne Wasser drüber geschüttet wird. Heu sollte mindestens 10 Minuten im Wasser gewaschen werden, um die Schimmel- und Staubporen zu entfernen. Sollte dies organisatorisch nicht funktionieren, weil z. B. im Winter kein Wasser in kleinen Ställen vorhanden ist, so kann man auf Silage oder Heulage umsteigen.  Ebenso ist es bei aktuen Fällen ratsam, das Müsli/Hafer/Pellets zu befeuchten, bevor gefüttert wird. Ich persönlich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Gabe von melassefreiem Futter besser ist, weil salopp gesagt nichts mehr klebt. dieser Zuckerkleber verbindet sich mit dem Staub und wirkt kontraproduktiv. 

Zum dritten Faktor – die Qualität von Reitplatzboden und Auslauf. Da im Sommer die Waldwege trocken sind, die Reitplätze einer Staubwolke gleichen, so ist darauf zu achten, dass das Pferd nicht den ganzen Tag neben einem Sandreitplatz abgestellt wird oder auf einem Sandpaddock die Nase im Staub vergräbt. Einen Sandpaddock kann man mit Wasser bespränkeln, selbiges beim Hallen- oder Reitplatzboden. Auch sollte bei staubempfindlichen Pferden darauf geachtet werden, welchen Reitweg man nutzt.

Das wichtigste zum Schluss: man sollte sich niemals schlecht fühlen, wenn man nicht alle der genannten Punkte verwirklichen kann. Wichtig ist zuerst die Erkenntnis über die einzelnen Faktoren und deren Beachtung, so weit es eben möglich ist.